Inge Auerbacher wächst in einem schwäbischen Dorf auf, bis sie 1942 mit ihren Eltern nach Theresienstadt deportiert wird. Aus kindlicher Perspektive schildert sie klar und eindringlich Verfolgung, Hunger und Angst – aber auch kleine Momente der Hoffnung.
Im Interview dieser Neuausgabe spricht Inge Auerbacher sehr persönlich über ihr Leben nach dem Krieg, ihre Erfahrungen als Zeitzeugin und ihre wachsende Sorge über den zunehmenden Antisemitismus auf der Welt.
1. Auflage
Bindeart: Taschenbuch Format: 125 x 187 x 125 mm Verlag: Gulliver von Beltz & Gelberg
»Die Kindheitsgeschichte einer Jüdin, die als siebenjährige mit ihren Eltern und anderen Juden ihres süddeutschen Heimatortes nach Theresienstadt verschleppt wurde, ist authentisch. Ihre Schilderung der durchlittenen Zeit im faschistischen Deutschland erfolgt aus der Sicht des Kindes, bezieht jedoch die emotionalen Folgen mit ein, die das Leben der Überlebenden heute noch prägen. Gleichgültigkeit und Brutalität der nichtjüdischen Bevölkerung – auch noch nach Kriegsende – werden an vielen Einzelheiten deutlich und vermittelt Kindern über Sachwissen hinaus einen Zugang zu der vielfach nicht vollzogenen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.«
- Jurybegründung Nominierung Deutscher Jugendliteraturpreis 1991
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Über Inge Auerbacher
Inge Auerbacher wurde 1934 in Kippenheim im Schwarzwald geboren. Sie war das einzige Kind von Berthold und Regina Auerbacher, einem gläubigen jüdischen Ehepaar, deren Familie bereits seit vielen Generationen in Deutschland lebte. Inges Vater war Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen und hatte das Eiserne Kreuz verliehen bekommen.
Zur Zeit der Kristallnacht war Inge erst 3 Jahre alt, aber ihre Erinnerungen daran sind immer noch sehr lebendig. Ihr Großvater wurde in der Synagoge verhaftet als er sein Morgengebet sprach. Gemeinsam mit ihrem Vater wurde ihr Großvater ins Konzentrationslager nach Dachau verbracht. Jedes einzelne Fenster ihres Hauses wurde zerstört und ihre Synagoge stark beschädigt. Wie durch ein Wunder kamen die beiden Männer nach wenigen Wochen wieder frei.
Inges Familie verkaufte ihr Haus und zog zu den Großeltern nach Jebenhausen, in ein Nachbardorf. Ihr Großvater starb kurze Zeit später - die Enttäuschung über die Gewalt in dem Land, das er so liebte, hatte er nicht überwinden können.
Inge Auerbachers Karriere in einer jüdischen Schule, die sie nur mit einer dreistündigen Zugfahrt erreichen konnte, endete bereits nach einem halben Jahr, als die Deportationen nach Osten begannen. Alle Türen zur freien Welt waren nun verschlossen. Ihre Großmutter und andere Familienangehörige wurden nach Riga in Litauen gebracht, wo der Tod durch Erschießung sie erwartete. Andere Verwandte wurden nach Polen gesendet, von wo man nie wieder ein Lebenszeichen von ihnen erhielt.
Inge und ihre Eltern wurden 1942 nach Theresienstadt in der damaligen Tschechoslowakei deportiert. Sie war mit ihren sieben Jahren die Jüngste der über 1200 Gefangenen und ihr Leben dort glich einem Albtraum. Tod, Hunger und Angst waren ihre ständigen Begleiter. Sie erlebte die Deportation der meisten ihrer Freunde in die Gaskammern nach Auschwitz und zog sich schwere Krankheiten zu. Viele Monate lag sie im so genannten Krankenhaus. Sie kann sich an den Inspektionsbesuch des Internationalen Roten Kreuzes in Theresienstadt und die Aufführung der Kinderoper 'Brundibar' erinnern.
Nach drei langen Jahren kam am 8. Mai 1945 die Befreiung durch die russische Armee. Die 10-Jährigen Inge gehörte zu dem einen Prozent der überlebenden Kinder des Lagers Theresienstadt. Wie durch ein Wunder hatten auch ihre Eltern überlebt. Die Familie kehrte nach Jebenhausen zurück und erfuhr vom Tod der meisten Verwandten ihrer großen Familie.
Im Mai 1946 emigrierte die Auerbachers in die USA. Die Jahre der Unterernährung hatten Inges Gesundheit nachhaltig geschadet und sie musste zwei Jahre im Krankenhaus verbringen. Sie kämpfte noch viele Jahre, um ihre frühere Kraft und Gesundheit wiederzuerlangen. Doch trotz vieler verpasster Schuljahre schloss sie die High School mit großem Erfolg ab. Sie studierte Chemie und arbeitete 38 Jahre lang als Chemikerin in Forschung und Praxis.
Inges Hobby bis heute ist das Schreiben. Neben ihrem Jugendsachbuch "Ich bin ein Stern" veröffentlichte sie Gedichte und Artikel. Sie hielt viele Vorträge über den Holocaust in den USA, Kanada und Deutschland. Für ihre Arbeit erhielt sie die Ellis Island Medal of Honour (1999) und sie wurde mit dem Louis E. Yavner Citizen Award (1999) ausgezeichnet. Ihre Heimatstadt Kippenheim lobte den Inge-Auerbacher-Preis aus, der an Studenten und Institutionen vergeben wird, die sich für Toleranz und Menschenrechte einsetzen.
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