Als Vorgesetzter Adolf Eichmanns und Amtschef im Reichssicherheitshauptamt gehörte SS-Oberführer Erich Ehrlinger (1910–2004) zum Führungskader des NS-Terrors. Peter Stadlbauer legt die erste umfassende Biografie eines Mannes vor, der als Kommandoführer der Einsatzgruppen die systematischen Massenmorde im Baltikum, in der Ukraine und in Weißrussland nicht nur bürokratisch organisierte, sondern vor Ort exekutierte. Auf einer breiten, teils erstmals erschlossenen Quellenbasis aus deutschen, russischen und US-amerikanischen Archiven sowie mit Zeitzeugeninterviews zeichnet die Studie Ehrlingers Weg vom studentischen Aktivisten zum »Schrittmacher« der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik nach. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Phase nach 1945: Detailliert wird die langwierige strafrechtliche Verfolgung rekonstruiert. Die Analyse der »Nachkriegskarriere« Ehrlingers und der juristischen Verfahren gegen ihn deckt exemplarisch die strukturellen Defizite und Versäumnisse der westdeutschen Justiz im Umgang mit NS-Gewaltverbrechern auf. Damit leistet das Buch einen wesentlichen Beitrag zu einer neueren Täterforschung sowie zur Rechtsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland.
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