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Hat die PISA-Studie von 2000 wirklich gezeigt, dass das deutsche Bildungssystem grundlegend falsch aufgestellt ist? Länder mit integrativen Bildungssystemen wie Finnland und Schweden schnitten deutlich besser ab als Staaten mit einer frühen und strengen Leistungsdifferenzierung, etwa die Schweiz, Österreich und besonders Deutschland. In der Folge setzte sich schnell die Forderung durch, die Differenzierung abzuschaffen oder zumindest die Bildungswege stärker zu öffnen und die Anforderungen zu senken. Hartmut Esser zeigt in seiner Studie jedoch, dass diese Schlussfolgerungen auf einer fragwürdigen Interpretation und selektiven Rezeption der PISA-Ergebnisse beruhten. Er dokumentiert die Irrtümer und korrigiert die Befunde am Fall der deutschen Bundesländer. Das Ergebnis ist die nahezu komplette Widerlegung der gängigen Position der Bildungspolitik: Bildungssysteme, die strikt nach den Fähigkeiten differenzieren, erreichen ein höheres Leistungsniveau – gerade auch bei Kindern in schwierigen Lagen und aus Migrantenfamilien –, ohne dass sich der Einfluss der sozialen Herkunft erhöht. Das Buch tritt damit der verbreiteten Auffassung entgegen, Leistungsorientierung und eine strikt danach organisierte Differenzierung der Bildungswege und des Unterrichts seien nichts weiter als längst überholte Relikte von Ständegesellschaften, reproduzierten nur die soziale Ungleichheit und passten nicht länger in eine Welt von Diversität und beständigem Wandel. Das Gegenteil ist der Fall. Man hätte es längst schon wissen können.

Über Hartmut Esser

Hartmut Esser, Prof. Dr., lehrte an der Universität Mannheim Soziologie und Wirtschaftstheorie.

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