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Aushänge, Messenger-Gruppen, Radioaufrufe: Nachbarschaftliche Unterstützung boomte während der COVID-19-Pandemie – insbesondere in Stadtteilen, in denen die akademische Mittelschicht ansässig ist. Hingegen blieb sie dort vergleichsweise unsichtbar, wo bereits vor der Pandemie Unterversorgung und existenzielle Unsicherheiten herrschten. Auf Grundlage eines qualitativen Vergleichs zwischen zwei städtischen Quartieren zeigt dieses Buch, wie nachbarschaftliche Unterstützung in der Pandemie organisiert, angeboten – und häufig nicht angenommen wurde. Zwischen demonstrativer Hilfsbereitschaft und unsichtbarer Bedürftigkeit entstand ein paradoxes Verhältnis: Während die einen betonten, helfen zu wollen, vertuschten die anderen, dass sie Hilfe dringend benötigen. Um diese Dynamiken zu verstehen, entwickelt die vorliegende Studie zwei zentrale Begriffe: Behauptete Bürgerlichkeit beschreibt eine Form der Hilfsbereitschaft, die moralische Ansprüche sichtbar macht, ohne zwingend in einer entsprechenden Praxis zu münden. Verfehlte Normalität verweist dagegen auf Lebensverhältnisse, in denen Krise längst Alltag ist und häufig als individuelles Scheitern erlebt wird. Die Untersuchung zeigt, warum die Pandemie keine neue Solidarität hervorgebracht hat, und fragt danach, was dies über die strukturellen Grenzen sozialer Fürsorge in der Gegenwartsgesellschaft verrät.

Über Almut Poppinga

Almut Poppinga, Dr. phil., promovierte an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. Sie ist wissenschaftliche Geschäftsführerin am Institut für Sozialforschung.

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