Wissenschaft
Über das Buch
Gewalt war im Ersten Weltkrieg auch an der Heimatfront eine alltäglich verfügbare Option. Anhand von drei Fallbeispiele – der Verfolgung angeblicher Spione in Automobilen, der Bedrohung aus der Luft durch Zeppeline und dem Versenken von Passagierschiffen durch U-Boote – untersucht Sven Oliver Müller in diesem Buch Gewalt gegen Zivilist:innen zwischen 1914 und 1918 im Deutschen Reich und in Großbritannien. Verunsicherung, Angst, Wut, Hass und das Gefühl von Ohnmacht führten damals zur Bildung von spontanen Gewaltgemeinschaften und zu Gewaltausbrüchen. Tatsächliche und erfundene Gefahren hatten zur Folge, dass unbekannte Reisende, wie längst bekannte Nachbarn und generell Menschen, die als fremd wahrgenommen wurden, verfolgt, beleidigt, ausgeplündert oder getötet wurden. Medien und staatliche Propaganda verstärkten diese Taten und Emotionen. Einige der Gewaltausbrüche waren durchaus im Sinne der staatlichen Interessen – aber die Zivilist:innen handelten nicht immer so wie »geplant« – als eigenständige Akteure bestimmten sie vielmehr selbst, gegen wen sich ihre Gewalt richtete.